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Network Governance

„Netzwerke“ können als zentrale Governance-Form in der Europäischen Union identifiziert werden. Als Beispiel dafür ein Auszug aus dem Weißbuch „Europäisches Regieren“: „Das alte lineare Modell, bei dem die Politik von oben herab verkündet wird, muss durch einen ‚circulus virtuosus’ ersetzt werden, einen Spiralprozess, der – von der Gestaltung bis zur Durchführung der Politik – auf Rückkoppelung, Netzwerken und Partizipation auf allen Ebenen beruht.“ (Weißbuch der Europäischen Kommission, 2001, 14).

Grundsätzlich versteht man unter „Network Governance“, eine stärkere Kooperation zwischen politische Institutionen und gesellschaftlichen Akteuren, um eine bessere Problemlösung zu erreichen. Dahinter steht zum einen die Anerkennung der wichtigen Aufgaben von gesellschaftlichen Akteuren wie NGOs, der Wirtschaft oder der Wissenschaft in der Ausübung von Governance-Funktionen. Zum anderen ist es ein Ziel von „Network Governance“, Synergien zwischen den verschiedenen Kompetenzen und Wissensformen der staatlichen und gesellschaftlichen Akteure herzustellen, um die gegenwärtig komplexen und verwobenen Probleme besser in den Griff zu bekommen. Reinecke und Denk (2000) fassen „Network Governance“ wie folgt zusammen: „A typical network (if there is such a thing) combines the voluntary energy and legitimacy of the civil society sector with the financial muscle and interest of the business and the enforcement and the rule-making power and coordination and copacity-building skills of states and international organizations.“

Idealtypischer Weise sollen Netzwerke für Governance-Aufgaben flexibel (d.h. offen für neue und veränderte Akteure), aber auch stabil (d.h. mittel- bis langfristig ausgerichtet, um bei Übereinkommen auch die Umsetzung zu garantieren) sein. Dabei kann man zwei verschiedene Konzepte von „Network Governance“ unterscheiden: eines bezieht sich auf „Netzwerke als selbstorganisierende Systeme“, ein anderes auf die Bedeutung von aktiver Steuerung.

  • „Netzwerke als selbstorganisierende Systeme“: Bei diesem Ansatz – der auch dem Weißbuch „Europäisches Regieren“ der Europäischen Kommission zugrunde liegt – geht es darum, einen größeren Teil von Aufgaben an Netzwerke von selbstorganisierten Akteuren abzugeben, die sich ihre Form der Zusammenarbeit selbst ausmachen. D.h. es gibt hier die Annahme von einer automatischen Institutionalisierung von selbstorganisierenden Netzwerken. Jedoch scheint hier die Annahme das Ziel vorwegzunehmen: die Existenz von Akteuren, die genügend Unabhängigkeit voneinander besitzen, um das Zustandekommen von dezentralen Lösungen bei Koordinationsprobleme zu ermöglichen.

  • Der andere Ansatz von „Network Governance“ (Schout and Jordan, 2003) beschäftigt sich explizit mit der Frage eines entsprechenden institutionellen Rahmens für diese Form von Governance. In dieser Betrachtungsweise sollten Netzwerke durch Institutionen ergänzt werden, die Unterstützung leisten bei der Netzwerkstruktur, der Evaluation sowie der Entwicklung von Koordinierungskapazitäten innerhalb des Netzwerkes, um die Integration von gemeinsamen Zielen zu ermöglichen.

Von vielen Wissenschaftern wird „Network Governance“ als eine der angemessensten Governance-Formen zur Bewältigung der komplexen Themen der Gegenwart angesehen. Dies vorwiegend aufgrund von drei Gründen:

  • Netzwerke bestehen zumeist aus einer Vielzahl von gesellschaftlichen Akteuren, deren Lösungsvorschläge breite Akzeptanz beinhalten. Jackson (2001) fasst das so zusammen: „The sharing of problems and the sharing of information increases the probability of finding agreeable solutions (...).“

  • Die Tatsache, dass Netzwerke starke verbindende Kapazitäten besitzen bedeutet, dass sie komplexen Themen besser begegnen können, als dies bei einem vorwiegen auf interne Kapazitäten beruhendem Ansatz der Fall ist.

  • Es wird angenommen, dass Zusammenarbeit dem Prinzip der Effektivität sehr nützt, da Netzwerke viele wertvolle Ressourcen zur Verfügung haben, z.B. lokales oder regionales Wissen und Erfahrungen, Engagement und Verbindlichkeit, etc.

Oft sind Netzwerke jedoch um einzelne Politikfelder oder spezielle Themen entstanden und behandeln deshalb selten Aspekte, die Politikfelder oder Themen überschneiden. Als pragmatischer, aber gleichzeitig für Nachhaltige Entwicklung sehr wichtiger Weg wird jetzt oftmals vorgeschlagen, bestehende Netzwerke bewusst auszuweiten, um neue, themenüberschreitende Netzwerke entstehen zu lassen.

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Letzte Änderung:
Dienstag, 09. Oktober 2018