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Formen der Nachhaltigen Entwicklung

Die konzeptionelle Tiefe des anfangs eher konsensualen Verständnisses von Nachhaltiger Entwicklung nach vom „Brundtland Bericht“ hat sich im Laufe der Zeit immer stärker differenziert. Für einen grundsätzlichen Überblick werden drei Ansätze des Verständnisses von Nachhaltiger Entwicklung dargestellt:

  • ‚Weak Sustainability’: Dieses Verständnis geht davon aus, dass von Menschen produziertes Kapital (z.B. Produkte, Dienstleistungen, Finanzkapital, etc.) und Humankapital (z.B. Wissen, Fähigkeiten, Gesundheit, etc.) einen Rückgang des natürlichen Kapitals (z.B. erneuerbare und nicht-erneuerbare natürliche Resourcen) ausgleichen könne. Daher unterstreichen die Befürworter dieses Verständnisses (zumeist neoliberale Ökonomen) sozio-ökonomische gegenüber umweltbezogenen Interessen und betrachten wirtschaftliches Wachstum als wichtigen Beitrag zu Nachhaltiger Entwicklung. Eines der gängigen Argumente in diesem Zusammenhang ist, dass man zuerst wirtschaftlichen Wohlstand erreichen müsse, um etwas für die Umwelt tun zu können („Umweltschutz muss man sich leisten können“).

  • ‚Strong Sustainability’: Nach diesem Verständnis ist natürliches Kapital nicht durch andere Kapitalformen ersetzbar. Daher gehen Befürworter dieses Ansatzes (zumeist Naturwissenschafter und Vertreter der Umweltwirtschaft) davon aus, dass es eine strikte physische Grenze für das Wirtschaftswachstum gibt. Langfristig bedeutet dies, dass es ein qualitatives, anstatt eines quantitativen Entwicklungsmodells geben soll. Frühe Vertreter dieses Ansatzes waren verantwortlich für den 1972 veröffentlichten Bericht des Club of Rome, „Grenzen des Wachstums“, der verschiedene Szenarien für die zukünftige Entwicklung der Gesellschaft erstellte und eine negative Entwicklung prophezeite, falls die wirtschaftliche Entwicklung der damaligen Zeit (aufgebaut auf hohem Ressourcenverbrauch) fortgesetzt würde.

  • ‚Balanced Sustainability’: Vertreter dieses Verständnisses unterscheiden zwischen natürlichem Kapital, das entscheidend ist für das menschliche Überleben und solches, das nicht entscheidend ist. Das für das menschliche Leben nicht entscheidende natürliche Kapital (z.B. Mineralien, fossile Brennstoffe) kann durch vom Menschen produziertes Kapital ersetzt werden, jedoch muss kritisches natürliches Kapital (z.B. stabiles Klima oder Biodiversität) bewahrt bleiben. Physische Grenzen für wirtschaftliches Wachstum werden nur dann relevant, wenn Gesellschaften es nicht schaffen, ihr Produktions- und Konsumverhalten dementsprechend zu verändern.

Vergleichende Länderstudien zeigen, dass in der politischen Rhetorik und den politischen Programmen/Strategien das Verständnis von ‚balanced sustainability’ vorherrscht. Die praktische Politikgestaltung ist allerdings zumeist geprägt vom ‚weak sustainability’ Verständnis.

governance.at - Die Internetplattform zu Governance und Nachhaltiger Entwicklung ist eine Initiative des Lebensministeriums und wird inhaltlich vom Research Institute for Managing Sustainability der Wirtschaftsuniversität Wien betreut.
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Letzte Änderung:
Dienstag, 09. Oktober 2018