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Nachhaltige Entwicklung als integrative Herausforderung

Das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung verlang nach Integration in mehrfacher Hinsicht. Was genau soll verbunden bzw. integriert werden? Die Integration der drei „Säulen“ von Nachhaltiger Entwicklung – nämlich der Politikfelder Wirtschaft, Umwelt und Soziales – ist wohl am naheliegendsten. In der nachfolgenden Tabelle kann jedoch entnommen werden, dass diese Form der Integration nur eine von vier integrativen Herausforderungen ist. Nachhaltige Entwicklung impliziert also auch Abstimmungsprozesse zwischen verschiedenen politischen Ebenen (Aspekt Raum), zwischen den Bedürfnissen heutiger und zukünftiger Generationen (Aspekt Zeit) und eine Integration hierarchischer und netzwerkartiger bzw. partizipativer Ansätze politischer Entscheidungsfindung (Aspekt Macht).

Tabelle: Integrative Herausforderungen für Nachhaltige Entwicklung © Steurer, 2004

Aspekt der Integration Zu integrierende Elemente Prinzip der Integration Spezifische Instrumente der Integration Allgemeine Instrumente der Integration
Politikfelder Wirtschaft, Umwelt und Soziales Horizontale Integration Interministerielle Institutionen, fiskalische Anreize Nationale Strategien
für Nachhaltige Ent-
wicklung, Komitees
für Nachhaltige Ent-
wicklung, Strategische
Umweltverträglichkeits-
prüfung, Umwelt-
verträglichkeitsprüfung,
„Strategic Public Management“
Raum Europäische, nationale, regionale und lokale Ebenen Vertikale Integration Diverse Foren, Konferenzen, Leitbilder
Zeit Kurz- und Langfristigkeit Intergenerationelle Gleichheit Verträge
Macht Hierarchische und netzwerkartige Governance-Muster Partizipation Stakeholder-Dialoge, Bürgerforen, Partnerschaften

Im Folgenden werden die Prinzipien der Integration als auch die allgemeinen Instrumente der Integration näher erläutert:

Prinzipien der Integration:

  • Horizontale Integration: Dieser Begriff verweist einerseits auf die Integration von verschiedenen Politikfelder (z.B. Wirtschaft, Umwelt und Soziales) und andererseits auf Koordinationsmechanismen zwischen den einzelnen Institutionen oder Abteilungen einer politischen Ebene, um diese Integration umsetzen zu können. Ein Beispiel sind die interministeriellen Komitees, die von zahlreichen EU Mitgliedstaaten für die Umsetzung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategien eingerichtet wurden.

  • Vertikale Integration: Unter diesem Begriff versteht man die Abstimmungsprozesse für Nachhaltige Entwicklung zwischen den verschiedenen politischen Ebenen. Vertikale Integration wird oft mit Multi-level Governance gleichgesetzt, jedoch ist Multi-level Governance die Voraussetzung, um ein vertikale Integration zu ermöglichen.

Die nachfolgende Tabelle zeigt ein vereinfachtes Modell von horizontaler und vertikaler Integration zwischen der nationalen und der/den sub-nationalen Ebene(n):


Graphik: Horizontale und vertikale Integration © Steurer, 2006

  • Intergenerationelle Gleichheit: Ausgehend von der allgemein anerkannten Definition von Nachhaltiger Entwicklung nach dem „Brundtland-Bericht“ nehmen die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen eine wichtige Rolle ein. D.h. Nachhaltigkeitsstrategien und Evaluationen sollen eine langfristige Perspektive beinhalten, um dem im Konzept vorhandenen Generationenaspekt Rechnung zu tragen.

  • Partizipation: Beteiligungsmöglichkeiten bzw. –verfahren sind in den meisten Nachhaltigkeitsstrategien enthalten, z.B. Bürgerforen oder Stakeholder-Dialoge zu bestimmten Themen. Partizipation ist aber generell eines der zentralen Elemente der Umsetzung von Nachhaltiger Entwicklung, die in der „Agenda 21“ – der Leitstrategie für Nachhaltige Entwicklung, die bei der „Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen“ in Rio de Janeiro 1992 von 179 Staaten unterzeichnet wurde – festgeschrieben wurden: „Eine der Grundvoraussetzungen für die Erzielung einer nachhaltigen Entwicklung ist die umfassende Beteiligung der Öffentlichkeit an der Entscheidungsfindung.“ (Agenda 21, Paragraph 23.2)

Instrumente der Integration:

  • Nationale Strategien für Nachhaltige Entwicklung: Sie sind als Integrationsinstrumente meist allgemein gehalten, sodass eine Vielzahl von andere Instrumenten oft im Rahmen eines Strategieprozesses zum Einsatz kommen. Gegenwärtig haben die meisten EU Mitgliedstaaten eine Nationale Nachhaltigkeitsstrategie, mit der die Politikfelder Wirtschaft, Soziales und Umwelt zumindest auf der nationalen Ebene (also horizontal) besser zu integrieren versucht werden. Dabei sind oft auch partizipative Prozesse relevant. Auffällig ist, dass einige „alten“ Mitgliedstaaten das Thema Governance und einige der „neuen“ Mitgliedstaaten Kultur als vierte Säule von Nachhaltiger Entwicklung berücksichtigen.

  • Nationalen Komitees für Nachhaltige Entwicklung: Darunter werden Beratungsgremium verstanden, die allen vier Verbundaufgaben dienen sollen und in mittlerweile fast allen EU Ländern vorzufinden sind. Während diese Komitees in den „alten“ EU Ländern in der Regel allerdings „nur“ mit NGO-Vertretern und Wissenschaftern besetzt sind, mischen sich in zahlreichen „neuen“ Mitgliedstaaten auch hochrangige Politiker darunter. In diesen Fällen steht nicht nur Beratung und Partizipation, sondern auch eine bessere Koordination zwischen den Ministerien (horizontale Integration) im Vordergrund.

  • Umweltverträglichkeitsprüfung und Strategische Umweltverträglichkeitsprüfung: Das sind zwei Formen der Evaluation, bei denen es vor allem (aber nicht nur) um eine bessere Integration wirtschaftlicher, sozialer und umweltbezogener Aspekte geht, und zwar bereits bevor Maßnahmen beschlossen oder umgesetzt werden (ex-ante). Während sich die traditionell eher schwachen Evaluations-Kulturen in den meisten EU Ländern nur schleppend verbessern, bemüht sich die Europäische Kommission, entsprechende Akzente im Sinne einer „wissensbasierten Gesellschaft“, dem Leitbild der Wirtschaftsstrategie der EU („Lissabon Strategie“), zu setzen.

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Letzte Änderung:
Dienstag, 09. Oktober 2018